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Rilkes Blick– Rilkes Gesichter

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Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge”, der einzige Roman des als Dichter gefeierten Rainer Maria Rilke, gilt als schwierige Lektüre. Als er ihn fertigstellte, war Rilke gerade 35, aber er war weit gereist und er hatte auf unvergleichliche Art Reisen und Leben, Kindheit und Liebe, scharfe Beobachtung und üppige Phantasien zu einer besonderen Prosa verdichtet. Wie viel Kraft  und Haltung ihr abzugewinnen ist, wie viel Spannung und Witz in seinen vermeintlich düsteren, elegischen Texten steckt – darüber durften wir bei “Leben Lesen” am Abend des 11. März staunen. Gespräche über Rilkes Reisen und Bezugspersonen – vor allem seine 16 Jahre ältere große Liebe Lou Andreas-Salomé, skandalumwittert und von Berühmtheiten wie Nietzsche und Frank Wedekind erfolglos umworben – unterhielten die Gäste ebenso wie die musikalischen Intermezzi von Annegret und Bernd Müller (Gesang, Gitarre) und Achim Quellmalz (Klarinette). Die “literarische Jamsession” weckte Lust auf mehr Rilke, Lust auf mehr große Literatur. Danke an Rilke, Danke an die Musiker und das gastfreundliche “Atlantic Parkhotel

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Uhu

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Ich liebe alles nächtige Getier
Die Eulen, Schlangen, Kröten und die Spinnen
Die einsam jagen, mit geschärften Sinnen
Wenn alles schläft, dann treibt es mich zu dir.

Mein Lieben ist aus Furcht und Nacht und Tod
Es flieht die Ordnung, hasst die engen Räume
Sein Sein ist Chaos und sein Stoff die Träume
Ein Auf und Ab aus wilder Lust und Not.

Was Mäuse schreckt, muss nicht die Duckmaus spielen
Es scheut das Licht, weil’s keine Larve trägt
Die Sonne bringt es niemals an den Tag
Hinter dem falschen Frieden
Steckt der Todesschrei.