China im Schwarzwald

 

Dai-Frau mit schwarzen Zähnen und Söhnchen
Dai-Frau mit schwarzen Zähnen und Söhnchen

Die Michelbacher laden wieder ein – diesmal zu einem China-Abend mit dem Dokumentarfilm „Zwischen Dschungel und Millionenstadt: Chinas unentdeckte Gesichter“; dazu gibt’s Gespräche über chinesische Küche, Medizin, Lebensart, natürlich auch die Konflikte im „Reich der Mitte“ http://is.gd/lvVZNr

Die Lust am Eigensinn – wieviel Anpassung braucht der Mensch?

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Der Denkerclub – eine deutsche Karikatur

Große Ideen zur Verbesserung der Welt – ausgedacht in enger Runde, hinterm Maulkorb angepasster Lebensweise versteckt: so sah ein Zeichner die Deutschen im Biedermeier vor 200 Jahren.

Wir haben’s besser: frei heraus dürfen wir unsere Meinungen äußern, sie via Internet verbreiten, Zensur findet nicht statt. Jeder kann „nach eigenem Willen“ glücklich werden, sein Leben mit eigenem Sinn erfüllen. Oder nicht?

Kann es sein, dass mit Denk- und Redeverboten auch die Lust am Eigensinn entfällt, dass eine gewisse Bequemlichkeit und herdenhafte Anpassung sich ausbreiten und dass, wo sich alle wohlfühlen und auf Krisenvermeidung aus sind, die Eigensinnigen nur noch stören?

Am 29.9. erscheint das Buch zum Thema von Wolfgang Korn – Ich hab’s vorab gelesen und besprochen, ich freu mich über kontroverse Gespräche über den Eigensinn berühmter Männer – und den aller Gäste bei Leben Lesen am  20. September.

Ein Christbaum–Leben

Tatsächlich musste eine Chinesin kommen, eine Frau also, die zum Christentum im Allgemeinen und Weihnachten im Besonderen überhaupt kein Verhältnis hat, um dieses Fest, seine religiösen Wurzeln, seine Rituale völlig neu zu erleben.

PaarWeihnacht2011

Weihnacht 2011

Es mag auch mit dem Altern zusammenhängen, mit intensiverem Erinnern an kindliche Weihnachten, dass einer wieder echte Kerzen im Grün und Gold brennen sehen will – in all meinen Jahren als Single hatte es mir wenig bedeutet. Nun, im Zusammenleben mit Qin aus Nanking, gab es immer einiges zu erklären und zu erzählen, wenn wir Kirchen und Klöster besuchten, wenn der Dezember kam mit Adventlichtern, mit einem Stall samt Pony, Ziegen, Kuh und Krippe auf dem Christkindlesmarkt, einer Plastikversion desselben vor der brutalst kitschigen Touristenschänke in der Fußgängerzone, wenn der alte “Da Bi Zi”* bereit war, in Kirchenlieder einzustimmen, obwohl er der Institution Kirche schon vor Jahrzehnten Adieu gesagt hat.

Bei diesen kultur- und religionshistorischen Erzählungen kam ich zwangsläufig auf die Botschaft vom Kind, das der Menschheit Frieden, Erlösung von Schuld und Sünden verspricht, dem Tod seinen Schrecken nimmt. Die Geburt Christi geht in der Bibel mit Lichterscheinungen einher, sie geschieht mitten in der Nacht, Hirten und Weise aus dem Morgenland werden erleuchtet, kurz: das Wichtigste an diesem Geschehen ist eigentlich, dass etwas Erhellendes, Beglückendes nicht menschlicher Vernunft entspringt, sondern als Geschenk Gottes unter wahrlich himmelschreienden biologischen und physikalischen Ungereimtheiten in die Welt kommt.

Im Kern der Botschaft gibt es indessen einen Zusammenhang zwischen Licht, Leben und Liebe – es gibt Ähnliches in fernöstlichem Glauben.

Nachdem ich in diesem Jahr wieder für Qin einen Kinderzeit-Weihnachtsbaum mit Kerzen statt elektrischer Beleuchtung geschmückt habe, nachdem wir den Zauber der lebendigen Flammen, des Dufts, des Abbrennens und Verlöschens gemeinsam bestaunt haben, hätten wir dem etwas altbacken wirkenden Lied vom Tannenbaum noch ein paar Strophen hinzuzufügen: Darin wäre vom Geschenk zu reden, auf brennende Kerzen achten zu dürfen. So ein Christbaum alter Fassung ist ein Sicherheitsrisiko, er verlangt uns – von der richtigen Platzierung der Glaskugeln, Glöckchen, Ketten zwischen den Zweigen, auf dass sie nicht den Flammen zu nahe kommen, über die Pflicht, alles beim Abbrennen immer im Auge zu behalten, bis zum Reinigen, Pflegen, neu Bestücken der Kerzenhalter – ein Mehr an Mühe und Aufmerksamkeit ab. Dafür werden wir belohnt: Der Baum und sein Fest leuchten nicht nur nebenbei. Wir nehmen uns Zeit für ihn und gewinnen Zeit für uns, unersetzliche, liebevolle Zeit – die sich der Erinnerung an die Christbäume der Kindheit verbindet.

Es sind Bäume fürs Leben.

Weihnacht 1953

Weihnacht 1953

*)chinesisch: “Großnase”

Die wunderbaren Stacheln der Rose

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Ein Wunder: Die Weihnachtsrose auf unserem Balkon

Mal ganz ehrlich: Ich pfeife auf weiße Weihnacht. Voriges Jahr war’s toll: ein Geschenk des Himmels, Schnee nach Herzens Lust – und ein satanisches Geheul wegen von Autos unbefahrbarer Straßen. Weg mit dem Winter!

Und – ach! Klimawandel soll doch auch nicht sein! Weg mit Kohlendioxid also! Weg aber auch mit kohlendioxidfreien Atomkraftwerken – weil die ja irgendwie riskant sind. Dass der ganze Industrialismus, dass die Verpflichtung von Menschen auf Konzerninteressen viel riskanter sind, wird nach bewährtem (Stalingrad-)Muster ausgeblendet. Wir wollen ein Klima, das den Wünschen der Mitläufer entspricht.

Genau das versprechen diejenigen, denen die Weihnachtsbotschaft „Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen“ egal ist: sie wollen sich um jeden Preis durchsetzen – mit ihrem Glauben an „Saubere Energie“, an irgendeine Technik, die ihnen die Verantwortung abnimmt für den Schnee und den Müll vor der eigenen Tür.