Archiv der Kategorie: Kultur

Weihnachtsgeschichten

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Rilke-Abend im März und April 2016

Annegret und Bernd Müller (Gesang, Gitarre) und Achim Quellmalz (Klarinette) gestalten inzwischen gemeinsam mit mir unsere Literaturabende im Atlantic Parkhotel in Baden-Baden. Seit 2013 gehört dazu auch der Nachmittag des 24.12.; mit Geschichten und Liedern stimmen wir auf den Heiligen Abend ein. Auf Nussknacker und Mausekönig“ von E.T.A. Hoffmann folgte 2014 „Weihnachtsschmuck: Friede – Freude – Eierkuchen?“, ein unterhaltsamer Dialog zwischen Bruder und Schwester, die sich ihrer Kindheit erinnern. Die Geschichte ist in meinem literarischen Weblog veröffentlicht. Lachend über schräge Episoden aus Zeiten des Mangels fragen sich die Geschwister: Könnten wir uns andererseits heute noch so von der Weihnacht verzaubern lassen? Was ist geblieben vom Entzücken, von der Stimmung jener Jahre, als kleinste Geschenke die Augen leuchten ließen?

Hotelgästen und Hotelleitung gefiel das so gut, dass sie sich einen alljährlichen „Weihnachtskaffee“ im Kaminzimmer wünschen. 2015 amüsierten sie sich über „Die Weihnachtshasserin“. Eine Probe dazu habe ich  als Video auf YouTube hochgeladen. Das Programm für 2016 wird noch nicht verraten.

 

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Freunde oder bloß fb?

Wohnort, Heimat, ZufluchtFraglos war’s eine wichtige Erfahrung, fraglos waren unter den fb-Kontakten, etwas hochtrabend Freunde geheißen, wirklich interessante, kluge, poetische, witzige Menschen mit lesenswerten Texten und ansehnlichen Fotos, aber nach sieben Jahren (wie die Zeit vergeht!) kann ich dem „Sozialen Netzwerk“ nur noch wenig abgewinnen, es frisst andererseits unverhältnismäßig viel Zeit, betrachte ich auch nur das rasche „Drüberscrollen“ bei Banalitäten, Pöbeleien, Panikmache, -zigfach Geteiltem, Werbung, … .
Drum habe ich meinen fb-Account heute stillgelegt. Wer wirklich an meinen Gedanken, Reflexionen, Pointen, Fotos interessiert ist, findet meinen Weblog – und kann den direkten Meinungsaustausch suchen, dafür gibt’s obendrein die „Literatur“-Community bei google+, twittern werde ich auch bisweilen.

Viel besser gefällt mir der persönliche Umgang mit Freunden: Er ist unersetzlich, es kann einer gar nicht genug Zeit darauf verwenden, Freundschaften zu pflegen, die den Namen verdienen, noch dazu, da seine Lebensspanne erkennbar gegen Null geht. In diesem Sinn: Willkommen hier oder bei meinen Veranstaltungen etwa im „Atlantic Parkhotel“ in Baden-Baden. Die nächste wird am 14. Oktober sein und hat den Titel „Keine Angst vor netten Leuten“. Satirische Texte von Tucholsky bis heute stehen auf dem Programm.

Frühling reist

Den Mai lässt Erich Kästner 1955 als “Mozart des Kalenders” auftreten. Sein Gedicht gehört zu den Schönsten. Gut ein halbes Jahrhundert nach dem Erscheinen seines Zyklus habe ich die Kutsche des Zauberers Mai  mit einem Regionalzug verglichen – weil jeder den Frühling anders erlebt.

Mozarts Auftritt im Kalender

Die Räder rollen durchs glückliche Land
der rostenden Wünsche, es schnattert das Jungvolk
Eingeflimmert aufs Mittelmaß,
duftend nach Fritten und Plastikfraß.
Gesichter voll Eisen, Chemie in den Haaren
Sehn sie nicht wo, verstehn nicht, wohin sie fahren.

Draußen geschieht das verlässliche Wunder
Das sich doch niemals planen lässt
Aus Landschaften werden Züge des Glücks
Triumphprozessionen verliebter Vögel.
Textilgeschäfte verhökern den Rest
Nächstens geht die Weltwirtschaft unter.

Altersrenditen verfallen im Takt
Der murmelnden Kugeln in den Rouletts
Der schwingenden Kurse auf den Parketts
Alle Tresore werden geknackt.

Derweil erblühn die unsterblichen Formen
Aus sterblichstem Stoff in den Farben der Träume.
Ich zähle die Tage als letzte Momente
Dass vom fliegenden Blau ich nur nichts versäume.
Keine Blüte sei ungeküsst
vom Blick, der auf Unendlich gerichtet ist.

Ins Offene

IMG_20160404_165226_1Jeden Jahres Wunder geschieht wieder, und ich kann niemals genug davon haben. Wenn einer als Kind das Glück hatte, so viel Zeit wie möglich im Freien zu verbringen, die Zauber der sich wandelnden Natur zu schauen, alle Farben, Klänge, Gerüche der Landschaften aufzunehmen und sich tief mit dem Augenblick zu verbinden, dann mag er niemals davon lassen, wird immer wieder aufs Neue vom vermeintlich Vertrauten überrascht.

Noch ein Frühlingsgedicht? Ja. Jeder Lenz ist – so oft sich aus Dreck, Wasser, Sonnenlicht Milliarden Blätter, Blüten, Myzelien bilden – ein anderer. Bilde ich mir ein, dass die Vögel schreien vor Lust und Glück? Mag sein. Ich lasse mich einfach anstecken.

Frühlingstag. Libellenflug.
Flirrend tilgt mit Blau und Grün
Laue Luft den längsten Winter
Nie sind Eis und Schnee genug
Nie muss Hoffnung sich bemühn.
Frühling findet uns als Kinder
Sonne zählt nicht ihre Tage
Gras fragt nicht wie lang es bleibt
Nicht die Blüte, was sie treibt
Nicht mein Mund, warum ich klage.
Deine Küsse werden Flüge
In die schwimmenden Pastelle.
Lachend fallen Vogelzüge
In des Jahres grüne Welle.