Weihnachtsgurken – und andere skurrile Geschichten

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Eine kleine Gurke aus grünem Glas hängt versteckt im Weihnachtsbaum. Wer sie zuerst findet, bekommt ein Extrageschenk. Diese deutsche Tradition wanderte Ende des 19. Jahrhunderts aus dem Thüringischen Lauscha in die USA, wurde dort als „Christmas Pickle“ zum Renner – und kehrte, fast vergessen, vor einigen Jahren nach Deutschland zurück. Den skurrilen Baumbehang gibt es mittlerweile in vielen Größen und Formen. Ob und wie oft darum bei der Bescherung gestritten wird, ist erstaunlicherweise von der Wissenschaft noch nicht untersucht.

Unsere Titelgeschichte handelt zwar auch von Weihnachten, sogar weißen, von echtem mundgeblasenen Lauschaer Christbaumschmuck, von Vorfreude aufs Essen, aber statt Geschenken gibt es allerlei Überraschungen. Und die Gurken sind zwar echt, aber beinahe unbezahlbar.

KutteldaddelduWenn Sie schwarzen Humor mögen, schräge Anekdoten und Gedichte, dann sind Sie bei der Weihnachtsausgabe von „Leben Lesen“ genau richtig. Sie erfahren zum Beispiel, wie Joachim Ringelnatz seinen Kuttel Daddeldu feiern, und wie Ambrose Bierce eine Kuh vom Pfarrer striegeln lässt. Ihre eigenen Stories dürfen Sie auch gern mitbringen und erzählen – lassen Sie sich animieren.

Wir laden wieder zu einer literarischen Soirée mit Musik ein, „Special Guest“ ist der Seemann Kuttel, Whisky und Tabakspfeifen spielen auch mit – Christkind Ahoi!

Am 22. Dezember 2018, 20:30 Uhr im Kaminzimmer des „Atlantic Parkhotel“, Goetheplatz 3 in 76530 Baden-Baden. Der Eintritt ist frei.

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Träume altern nicht – wie Liebe zeitlebens das Gleichgewicht stört

Wenn einer das Berufsleben hinter sich hat, im Schwarzwald wohnt, gesund und munter, ohne Verpflichtungen und finanzielle Nöte, darf er sich aussuchen, mit wem er seine Zeit verbringen will. Es sei denn, die Traumfrau erscheint. Sie bringt alles durcheinander. Plötzlich ist die große Liebe zum Greifen nah. Was kann man da schon tun?

„Verträume nicht dein Leben, lebe deinen Traum!“ ist ein gängiger Spruch fürs Poesiealbum. Manchmal aber bekommen wir einfach geschenkt, wovon wir nicht zu träumen wagten. Liebe ist keine Frage des Alters, auch keine des Reichtums. Wie viel davon können wir zulassen – und vertragen?

In der literarischen Soirée „Leben Lesen“ unterhalten wir Sie diesmal mit einer skurrilen, amüsanten Geschichte aus dem Schwarzwald und Gedichten, die zur Jahreszeit und zum Thema passen. Lassen Sie sich überraschen.

Dazu gibt‘s musikalische Improvisationen: Swing, Jazz, Chanson. Der Eintritt ist wie immer frei, sollte Ihnen der Abend gefallen, freuen wir uns über eine Spende.

Am 1. Juni 2018, 20.30 Uhr im Kaminzimmer des

„Atlantic Parkhotel“, Goetheplatz 3 in 76530 Baden-Baden

Hans Huckebein und andere schräge Vögel

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Baden-Baden war „Sommerhauptstadt Europas“, und das „Hotel d‘Engleterre“ – heute „Atlantic Parkhotel“ – beherbergte hohe Gäste wie den Reichskanzler Bismarck, als Wilhelm Busch „Max und Moritz“, „Die fromme Helene“, „Plisch und Plum“… erfand. Seine gezeichneten Figuren und Geschichten machten ihn berühmt, er gilt als einer der Urväter des Comics.

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Busch selbst schätzte die Bildergeschichten gering:

Ich betrachte meine Sachen als das, was sie sind, als Nürnberger Tand, als Schnurrpfeifereien, deren Wert nicht in ihrem künstlerischen Gehalt, sondern in der Nachfrage des Publikums zu suchen ist …“ Seinen Fähigkeiten als Maler misstraute er, als Autor fühlte er sich verkannt. Wer war der Mann mit dem grimmigen, bisweilen grausamen Humor? Er hat nie geheiratet – aus Eigenliebe oder weil er die Ehe verachtete? Wieso belustigen seine Einfälle uns heute noch ebenso wie vor 150 Jahren?

Mit einigen bekannten Bildergeschichten, mit biografischen und historischen Anekdoten wollen wir das Publikum im Kaminzimmer des „Atlantic Parkhotels“ Baden-Baden unterhalten, es kommen in unserer Soiree aber auch unbekannte Gedichte und Prosa von Wilhelm Busch zu Gehör. Lassen Sie sich überraschen.

Dazu gibt‘s musikalische Improvisationen: Swing, Jazz, Chanson.

Aktuelle Termine: 9.März 2018, 20:30 Uhr

 

Die Weihnachtshasserin

Kerzenschnee totelNicht alle mögen Weihnachten – klar. Ich wünsche dennoch meinen Lesern ein erholsames Fest voll Freude, am besten in liebenswerter Gesellschaft. Als kleines Geschenk hier ein Ausschnitt aus der Kurzgeschichte obigen Titels, die ich Gästen im Kaminzimmer des „Atlantic-Parkhotels“ gestern zu Gehör brachte. Gemeinsam mit Annegret und Bernd Müller (Gitarre) haben wir auch gesungen – gehasst hat niemand, gelacht haben alle.

„Es ist abartig!“
Gäste vom Nachbartisch schauten herüber, ich bemerkte, dass ich einen roten Kopf bekam. Die Leute dachten wunders womit ich mir diesen Wutschrei verdient hatte. Frau Herzberg aber schaute mir plötzlich direkt in die Augen, griff nach meiner Hand und sagte: „Tut mir leid, seien Sie mir nicht böse. Es geht nicht gegen Sie. Aber schauen Sie sich nur all die schönen, stolzen Bäume an, die für blöde Märkte, Kaufhäuser, Kantinen, Kneipen, Bahnhöfe oder Millionen Wohnzimmer abgehackt werden, die dort vertrocknen und dann verbrannt werden! Fast 30 Millionen, allein in Deutschland jedes Jahr! Stellen Sie sich vor, Ihre Füße würden abgesägt, man schraubte Sie in ein Metallgestell, behängte Sie mit billigem Glitzerzeug und würfe Sie nach 14 Tagen einfach weg.“
Ihre Stimme war plötzlich weich geworden, ihre Augen glänzten feucht, sie hatte wirklich Mitleid mit den Bäumen. Das heißt, sie hatte irgendwann versucht sich vorzustellen, wie sich eine Säge an den Füßen anfühlt – oder jemand hatte sie dazu gebracht, sich das vorzustellen. Das war kein Spaß.
„Eine Säge an den Füßen“, murmelte ich, „das ist kein Spaß. Wenn Sie so etwas Kindern erzählen, werden Sie womöglich nie mehr Weihnachtsbäume anschleppen müssen.“
„Sehen Sie! Wieso erzählen wir das den Kindern dann nicht?“ Jetzt schimmerten ihre Augen hoffnungsfroh. Ich seufzte.
„Sehen Sie ’s mir bitte nach“, ich legte meine Hand auf die ihre, „Bäume mögen Gefühle haben, aber wenn wir schon von Bäumen und Menschen reden, kommen wir um die Unterschiede nicht herum. Ich liebe Bäume, seit meiner Kindheit fühle ich mich im Wald zuhause. Dort tanke ich Kraft, habe oft in bösen Zeiten Trost gefunden. Und – glauben Sie ’s oder nicht – dazu passt ausgerechnet ein Weihnachtslied.

O Tannenbaum, o Tannenbaum,
dein Kleid will mich was lehren:
Die Hoffnung und Beständigkeit
gibt Trost und Kraft zu jeder Zeit,
o Tannenbaum, o Tannenbaum,
dein Kleid will mich was lehren.“

Frau Herzberg entzog mir ihre Hand. „Ja ja. Mit dieser Art von Gedudel wurden früher Kinder eingelullt: ‚Hoffnung‘, ‚Beständigkeit‘. Was soll der Quatsch noch im digitalen Zeitalter, wo sich alles in rasendem Tempo ändert? Für Kinder zählt das neueste Smartphone zu Weihnachten, der Baum darf ruhig aus Plastik sein.“

Der Anfang der Geschichte findet sich als Video auf YouTube, wer mehr möchte, melde sich gern.