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Keine Angst vor netten Leuten

 

Der gelernte Jurist Kurt Tucholsky wurde durch seine spitze Feder berühmt. Als Kritiker und Kommentator in der „Weltbühne“ spießte er in den wilden zwanziger und den frühen dreißiger Jahren schlechte Texte, alte Krieger und junge Schwadroneure auf – er machte sich aber auch über Menschliches-Allzumenschliches lustig.

 

Der gelernte Schauspielregisseur Immo Sennewald lässt „Tuchos“ satirisches Feuerwerk wieder funkeln, zündet seine Pointen und macht mit aktuellen Texten neue Leuchtraketen scharf. Dazu gibt‘s musikalische Improvisationen: Swing, Jazz, Chanson.

30. Dezember 2016, 20 Uhr  im Kaminzimmer des „Atlantic-Parkhotel“, Gotheplatz 3, 76530 Baden-Baden

Freunde oder bloß fb?

Wohnort, Heimat, ZufluchtFraglos war’s eine wichtige Erfahrung, fraglos waren unter den fb-Kontakten, etwas hochtrabend Freunde geheißen, wirklich interessante, kluge, poetische, witzige Menschen mit lesenswerten Texten und ansehnlichen Fotos, aber nach sieben Jahren (wie die Zeit vergeht!) kann ich dem „Sozialen Netzwerk“ nur noch wenig abgewinnen, es frisst andererseits unverhältnismäßig viel Zeit, betrachte ich auch nur das rasche „Drüberscrollen“ bei Banalitäten, Pöbeleien, Panikmache, -zigfach Geteiltem, Werbung, … .
Drum habe ich meinen fb-Account heute stillgelegt. Wer wirklich an meinen Gedanken, Reflexionen, Pointen, Fotos interessiert ist, findet meinen Weblog – und kann den direkten Meinungsaustausch suchen, dafür gibt’s obendrein die „Literatur“-Community bei google+, twittern werde ich auch bisweilen.

Viel besser gefällt mir der persönliche Umgang mit Freunden: Er ist unersetzlich, es kann einer gar nicht genug Zeit darauf verwenden, Freundschaften zu pflegen, die den Namen verdienen, noch dazu, da seine Lebensspanne erkennbar gegen Null geht. In diesem Sinn: Willkommen hier oder bei meinen Veranstaltungen etwa im „Atlantic Parkhotel“ in Baden-Baden. Die nächste wird am 14. Oktober sein und hat den Titel „Keine Angst vor netten Leuten“. Satirische Texte von Tucholsky bis heute stehen auf dem Programm.

Frühling reist

Den Mai lässt Erich Kästner 1955 als “Mozart des Kalenders” auftreten. Sein Gedicht gehört zu den Schönsten. Gut ein halbes Jahrhundert nach dem Erscheinen seines Zyklus habe ich die Kutsche des Zauberers Mai  mit einem Regionalzug verglichen – weil jeder den Frühling anders erlebt.

Mozarts Auftritt im Kalender

Die Räder rollen durchs glückliche Land
der rostenden Wünsche, es schnattert das Jungvolk
Eingeflimmert aufs Mittelmaß,
duftend nach Fritten und Plastikfraß.
Gesichter voll Eisen, Chemie in den Haaren
Sehn sie nicht wo, verstehn nicht, wohin sie fahren.

Draußen geschieht das verlässliche Wunder
Das sich doch niemals planen lässt
Aus Landschaften werden Züge des Glücks
Triumphprozessionen verliebter Vögel.
Textilgeschäfte verhökern den Rest
Nächstens geht die Weltwirtschaft unter.

Altersrenditen verfallen im Takt
Der murmelnden Kugeln in den Rouletts
Der schwingenden Kurse auf den Parketts
Alle Tresore werden geknackt.

Derweil erblühn die unsterblichen Formen
Aus sterblichstem Stoff in den Farben der Träume.
Ich zähle die Tage als letzte Momente
Dass vom fliegenden Blau ich nur nichts versäume.
Keine Blüte sei ungeküsst
vom Blick, der auf Unendlich gerichtet ist.

Gespenster – Zeitgeister – Grenzerfahrungen

umtriebiger Traumtänzer und Multitalent

Maler, Musiker, Literat – am Ende aufmüpfiger Staatsbeamter: E.T.A. Hoffmann

Der „Gespenster-Hoffmann“ gehörte schon früh zu meinen literarischen Vätern; mit 14 radelte ich hinaus in den Frühling, im Gepäck die „Serapionsbrüder“, träumte mich, bäuchlings ins Gras einer Lichtung des Thüringer Waldes gestreckt, fort nach Italien oder in die Straßen von Dresden, wo der Student Anselmus seiner großen Liebe nachjagt, einer Märchenprinzessin in Gestalt einer goldenen Schlange. „Was ist Wahn, was Wirklichkeit?“ – so begann die Reise entlang der Grenzen und darüber hinaus.

Kein Wunder also, dass mich im „Raketenschirm“ diese Frage ebenso beschäftigt wie in den beiden ersten Romanen – es finden sich noch andere tiefe Bezüge zu E.T.A. Hoffmann. Die Frühlings-Session von „Leben Lesen“ widmet sich dem großartigen Komponisten, Erzähler, verzweifelt erfolglosen Theaterdirektor, Alkoholiker, den der frühe Tod vor seinem Hinauswurf aus dem preußischen Staatsdienst bewahrte. Als Kammergerichtsrat hatte er 1822 den renitenten„Meister Floh“ verfasst, erst 86 Jahre nach seinem Tod erschien der von der Zensur beschlagnahmte Text.

Es ist auch kein Wunder, dass „Leben Lesen“ sich auf den Gespenster-Hoffmann beruft: die Erzählrunde der „Serapionsbrüder“ war dafür ein Vorbild. Dort trafen sich Hoffmanns – fiktive – Freunde und spannen ihr Garn. Wenn wir uns also zum Erzählen im Kaminzimmer des „Atlantic“ ums Feuer versammeln, dann ist das die stimmungsvolle Reverenz an sein aufgeregtes, umtriebiges, phantastisches Leben und Träumen.

Termin: 27. März 2013 19 Uhr, im „Atlantic Parkhotel “ Baden-Baden, Kaminzimmer. Näheres zur Veranstaltung unter „Aktuelle Termine“